Entwicklung der Sportart Kanupolo in Deutschland

Der Anfang

Während der Kanu-Rennsport in den 1920er Jahren in England ein Schattendasein fristete und nur wenige Zuschauer an die Strecken locken konnte, überlegten die dortigen Offiziellenwie das Paddeln für die breite Masse interessanter gestaltet werden kann. Der Fußball war groß im Kommen und als Vorbild schnell gewählt. Die ersten Regeln wurden aufgeschrieben und auch der DKV erkannte 1926 das Potential: Mit Kanu-Polo lassen sich in Deutschland neue Zielgruppen erschließen und zwar sowohl auf Seiten der Zuschauer als auch in Form von aktiven Sportlern und Verbandsmitgliedern. Als Sportgerät kam zunächst ein kurzes Faltboot zum Einsatz und das Spielfeld orientierte sich wie die Idee am Bruder im Geiste. Zwischen 99 und 120 Meter waren die Felder lang und schwimmenden Toren lagen an den kürzeren Seiten (50-90 Meter). Die Spielzeit betrug ebenfalls 2 x 45 Minuten und eine 10 minütige Pause sollte den 11Spielern pro Mannschaft zur Erholung genügen.

 

RIVER POLO 1949

 

Das erste offizielleDKV-Spiel wurde bereits Jahresdarauf während der Deutschen Kurzstreckenmeisterschaften (Kanu-Rennsport) in Hamburg ausgetragen. Schon nach dieser Partie erkannte nicht nur der Berliner Erich Arndt, dass das Polospiel durch Verkürzung der Spielzeit auf zweimal 20 Minuten publikumswirksamer gestaltet werden müsste.

Jetzt ging es Schlag auf Schlag: 1928 fanden die ersten Deutschen Kanu-Polo Meisterschaften mit neuen Spielregeln und einer Beteiligung von 25 Mannschaften statt. Die Sportart wuchs kontinuierlich und bei den vierten nationalen Meisterschaften (1931) in Berlin-Grünau beteiligten sich die ersten Damenteams. 1934 sollten die zunächst letzten Meisterschaften dieser Art in Nürnberg ausgetragen werden; Deutscher Meister bei den Herren wurde die KGWanderfalke Essen.

Ein Jahr darauf endete die offizielle Unterstützung des DKV fürTurniere und der Spielbetrieb wurde in ganz Deutschland bis auf weiteres eingestellt. Neben den hohen Kosten für Material, die zum damaligen Zeitpunkt Sportler undVereine vor zusätzliche Herausforderungen stellten, war die politische Entwicklung der ausschlaggebende Grund.

 

 

KANUPOLO 1970

Neubeginn Nummer 1

Die Zeit nach 1945 bis 1989  

Es vergingen einige Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis der Polosport in Deuthland wieder Beachtung finden sollte. Neue Materialien wie diverse Kunststoffeund Aluminium-Legierungen erlaubten erstmals 1961 den Bau neuartiger Bootsformen. Das Bundesland Nordrhein Westfalen -  bis heute der Landes-Kanu-Verband mit den meisten aktiven Polosportlern – führte ein einheitliches Jugend-Kunststoffbootein. Aber nicht nur in NRW erblickte der Sport ein zweites Mal das Licht derWelt: Auch in Hamburg und Berlin formierten sich wieder Vereine und Sportler um mit den neuen Möglichkeiten wieder Kanu-Polo zu spielen.

Auch der DKV sollte in der Folgezeit ein weiteres Mal auf Kanu-Polo aufmerksam werden. Im Jahr 1965 erschien in der Zeitschrift „Kanu-Sport“ eine kleine Notiz, in derVereine und Aktive gesucht wurden, die bei einer Neuauflage des Sports mitwirken wollten. Im Juli 1969 ernannte der DKV den Hamburger Rolf Manstein zum ersten Kanu-Polo Beauftragten für Kanupolo.

 

HAMBURG 1970 / TRAINING MIT WANDERBOOTEN

 

Von nun an befasste man sich wieder von offizieller Seite mit Regeln und Organisation. Zusätzlich feilte man in Zusammenarbeit mit dem  Essener Jürgen Konrad unermüdlich an den Austragungsmodalitäten. Gleichzei- tig fanden größereTurniere in Hamburg statt. In diesem Rahmen wurde das erste Kanupolo-Kriterium – eine Art Ersatzveranstaltung zur Deutsche Meisterschaft – durch- geführt. Die neueVersion der Spielregeln sah vor, dass die Mann- schaftsstärke auf neun Spieler reduziert wird, wobei sich sechs Spieler auf dem Feld und drei Spieler in der Auswechselzone befanden. Die erste„neue“ offizielle Deutsche Meisterschaft – mit dem Segen des DKV –  fand 1971 in Salzgitter (Lebenstedt) statt. Deutscher Meister wurde der WSV Polizei Hamburg.

D-CUP 1985

 

In den 1970er Jahren wurde verstärkt die Jugendarbeit in allen Landesverbänden gefördert und die Kanu-Polo Wettkampfbestimmungen fanden 1972 auf dem Kanutag in Hannover ihren Einzug in die DKV-Satzung. Kanupolo war somit fester Bestandteil der Kanufamilie im Haus des Deutschen Kanu-Verbands. Ebenso kristallisierten sich viele neue Turnierplätze heraus; der KSV Rothe Mühle Essen veranstaltete zum ersten Mal sein Pfingstturnier, der KV Kiel startete sein Turnier im Rahmen der Kieler Woche und VMW Berlin platzierte den ersten Spree-Havel-Cup im Turnierkalender.

Bis 1975 hatte sich bei den 5. Deutschen Meisterschaften die Teilnehmerzahl nahezu verdreifacht. Gespielt wurde in fünf verschiedenen Klassen und neben Alter und Geschlecht erstmals nach Leistung differenziert. Ein weiterer Meilenstein war die 1977 durch den KSV Rothe Mühle Essen ausgerichtete 7. Deutschen Meisterschaft: Insgesamt nahmen 37 Mannschaften aus 22 Vereinen teil und als Novum ging es bei den Herren nicht nur um den Turniersieg in der jeweiligen Klasse sondern ebenfalls um Auf- und Abstieg.


1986 Essen - KSV Rothe Mühle gegen WSV-Niederrhein
Aber auch international entwickelte sich Kanu-Polo prächtig: 1980 wurde der erste internationale Ländervergleichskampf in London ausgetragen. Teilgenommen haben Teams aus den Niederlanden, England, Schottland und Deutschland. Im englischsprachigen Raum zeichnete sich eine weitere Änderung im Sport ab. Erstmals wurde in kleineren Booten mit modifizierten Regeln gespielt.

Neubeginn Nummer 2

Kanu-Polo auf dem Kleinfeld
Wie bereits angedeutet, schickten sich die Engländer erneut an die noch junge Sportart zu verändern. Sie erkannten, dass das Spiel auf dem Wasser nicht für die fußballerische Dimension gemacht sei. Stattdessen spielten sie Kanu-Polo auf einem sehr viel kleineren Spielfeld (35 x 23 Meter) mit kürzeren Booten und weniger Spielern. Auch die Position und Größe der Tore wurde verändert. Sie blieben an den schmalen Seiten, hingen jedoch jetzt in 2 Meter Höhe über dem Wasser. Kleinfeld-Polo war geboren.
Außerhalb Deutschlands, besonders in Geburtsland des Polosports entwickelte sich Kleinfeldpolo rasant und Mannschaften aus Deutschland, die an Kleinfeldturnieren im Ausland teilnahmen, mussten sich an neue Spielregeln und neues Material gewöhnen. Um die verschiedene Strömung des Sports zu bündeln, war es an der Zeit sich international um ein einheitliches Regelwerk zu bemühen. Dazu wurde 1985 eine Ad-hoc-Kommission unter der Leitung des DKV-Präsidenten Ullrich Feldhoff und dem Hamburger Rolf Thiede ins Leben gerufen. Nach drei Jahren Arbeit wurden 1988 in Seoul (Südkorea) die ersten internationalen Kanupolo-Spielregeln durch den ICF angenommen.
Der Wechsel vom großen zum kleinen Feld war somit besiegelt und der Deutsche Kanu-Verband übernahm 1989 die neuen internationalen Regeln. So fanden sowohl die neuen Spielfeldmaße als auch die geänderte Anzahl der Spieler ihren Einzug in die Wettkampfbestimmungen (WB). Acht Sportler pro Mannschaft bestehend aus 5 Feld- und 3 Auswechselspielern kämpften nun um Punkte vor den 1,50 x 1 Meter großen Toren. Im Jahr 1990 sollte auch in Deutschland der endgültige Wechsel vorgenommen werden. Es wurden die letzten Deutschen Meisterschaften im Großfeldpolo ausgetragen und auf dem Essener Pfingstturnier – inzwischen seit rund 20 Jahren im Turnierkalender – zum ersten Mal nach internationalen Kleinfeld-Regeln gespielt.
Das Pfingstturnier auf dem Baldeneysee entwickelte sich zum größten internationalen Turnier der Welt und die Eckdaten lauten seit diesem Zeitpunkt: 3 Turniertage, mehr als 6 Spielfelder, über 80 Teams aus rund 10 Nationen.
Durch Förderung des DKVs und dem Verein „Förderkreis Kanupolo“ sowie den Bemühungen des Vereins Vereinigung Märkischer Wanderpaddler (VMW) war es möglich, dass Mannschaften aus den neuen Bundesländern am Pfingstturnier – dem Deutschland-Cup – teilnehmen konnten.
An dieser Stelle ist besonders das persönliche Engagement von Manfred Rößler, Klaus Liebmann und Andre Heinrich (alle aus Berlin) für den Polosport in den neuen Bundesländern zu erwähnen. Sie ermöglichten vielen den Zugang zum Sport, obwohl in der DDR nicht-olympische Sportarten keine Förderung von offizieller Seite erhielten.

 

KANUPOLO WM 2014 FRANKREICH THURY HARCOUT